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Corporate Citizenship

 

 

 

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Corporate Citizenship in den USA

Gespräch mit dem Chicagoer Personalberater Robert J. Schout.


Frage: Mister Schout, die USA gelten als Synonym für Turbokapitalismus ohne soziale Wärme. Wie passt da gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ins Bild?
Schout: Moment. Ich persönlich verspüre in Amerika keinesfalls ein Gefühl von sozialer Kälte. Aber das liegt wohl daran, dass wir unser Land nie als Wohlfahrtsstaat gewünscht haben. Statt dessen legen wir großen Wert auf freiwilliges Engagement für die Gesellschaft. Corporate Citizenship ist da nur allzu logisch.

Frage: Inwiefern?
Schout: Weil darin zwei uralte amerikanische Traditionen zum Ausdruck kommen. Zum einen heißt die Devise "Pull yourself up on your own bootstraps", was natürlich Kapitalismus pur bedeutet. Zum anderen haben wir seit Jahrhunderten eine karitative Tradition, wie es sie in kaum einem anderen Land gibt. Beide Traditionen bilden ein dynamisches Spannungsfeld. Ich bin sicher, dass wir über Corporate Citizenship nun ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen beiden Traditionen finden.

Frage: Ist das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen keine Modeerscheinung?
Schout: Die exzessiv kapitalistischen Achtzigerjahre mit einer rücksichtslosen Ich-Gesellschaft sind uns eine Lehre. Es hat sich in den vergangenen Jahren doch bis in die Chefetagen der Konzerne herumgesprochen, dass Business mehr als nur kurzfristiger Profit bedeutet. Business heißt heute Partnerschaft mit den Mitarbeitern und Kunden, es ist Kommunikation mit dem gesellschaftlichen Umfeld eines Unternehmens.

Frage: Schließen sich Shareholder Value und Corporate Citizenship eigentlich nicht gegenseitig aus?
Schout: Wer ein guter Corporate Citizen ist, verbessert seine Beziehungen zu seinen Stakeholdern. Und das ist absolut nützlich fürs Geschäft. Vielleicht noch nicht so vor 40 Jahren, aber im heutigen Informationszeitalter umso mehr.

Frage: Ist da nicht viel Wunschdenken mit im Spiel? Chefs, die sich sozial engagieren, gelten unter CEO-Kollegen doch vielfach als Warmduscher.
Schout: Wer als CEO mit Tunnelblick nur Business als Business betrachtet, schießt sich in den Fuß. Wer gesellschaftliches Engagement ablehnt, handelt kurzsichtig.

Frage: Aber es ist doch ein wesentliches Merkmal von US-Firmen, dass Bosse nur auf die nächsten Quartalsergebnisse peilen.
Schout: In den 80er Jahren galt dies uneingeschränkt. Aber die Zeiten haben sich geändert, und einige Firmen mussten das auf die harte Tour erfahren. Der Einzelhandelsriese Sears zum Beispiel war über Jahrzehnte ein unschlagbares Unternehmen. Bis es in den 80ern plötzlich zu dramatischen Umsatzeinbrüchen kam. Erst nachdem sich Sears völlig neu strukturiert und sich gesellschaftlich und damit bei den Kunden verwurzelt hat, ist es wieder wirtschaftlich obenauf.

Frage: Wenn sich die Wirtschaft gesellschaftlich so ins Zeug legt, wie konnte es dann zu den Ausschreitungen am Rande der WTO-Konferenz in Seattle kommen?
Schout: Die Ereignisse von Seattle sind nicht repräsentativ für Amerika. Dort hatten sich radikale Aktivisten generalstabsmäßig zusammengerottet. Aber es gibt schon gewisse Vorurteile gegenüber dem Big Business. Interessant ist dabei, dass Corporate Citizenship vor allem von kleineren Unternehmen praktiziert wird. Und was hinzukommt: Die Bürger sind heute gebildeter als früher, sie haben ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein und höhere Erwartungen an die Firmen als Teil der Gesellschaft.

Frage: Welche Rolle spielt die Politik bei der Entwicklung von Corporate Citizenship?
Schout: Die Politik hat durchaus einen Beitrag als Geburtshelfer geleistet. Vor allem Ex-Präsident Jimmy Carter hat das Thema der sozialen Verantwortung kraft seiner Autorität entscheidend vorangebracht. Damit bildete Carter in den Achtzigerjahren eine absolute Ausnahme, nicht nur, weil die meisten Ex-Präsidenten sich dem Golfspiel hinzugeben pflegen, sondern auch weil sich kaum ein Politiker damals in die Schusslinie radikal-liberaler Kapitalisten wagte.

Frage: Und wie verhalten sich heutige Politiker zu diesem Thema?
Schout: Auch George Bush, eigentlich ein sehr konservativer Politiker, hat sich um soziales Engagement der Unternehmen bemüht. Sein Motiv lag allerdings vor allem in den schlechten Staatsfinanzen Ende der Achtzigerjahre begründet. Da rief Bush die Points-of-Light-Stiftung ins Leben, eine Initiative, die seither eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen ausübt. Bill Clinton hat das Thema weiter gepflegt. So tritt der Präsident selbst auf Veranstaltungen auf, bei denen etwa der Vertreter von Starbucks Coffee vor laufenden Kameras gefragt wird, was sein Unternehmen in Punkto familienfreundliche Arbeitsplätze unternimmt. Da entsteht ein ganz neues Klima von sozialem Engagement und Prestige.
Autor: Christian Ramthun


Corporate Citizenship in Großbritannien

Die Männer, die Mitte Mai beim Londoner Obdachlosenheim King George’s anklopften, unterschieden sich deutlich von der üblichen Klientel der Herberge. Reuters-Chef Tom Glocer war darunter, John Studzinski, Vice-Chairman von Morgan Stanley International, und Christopher Lay, Geschäftsführer der Versicherungsgruppe Marsh. Die Herren suchten das Gespräch mit den Obdachlosen, deren Leben so ganz anders aussieht als ihr eigenes.
Der ungewöhnliche Tagesausflug der Wirtschaftselite ist ein Projekt der Organisation "Business in the Community (BITC)". Unter dem Motto "Sehen ist Glauben" verschafft BITC interessierten Managern gesellschaftlichen Anschauungsunterricht jenseits ihrer renditefixierten Betriebskultur – und verzeichnet wachsenden Zulauf seitens der Firmenlenker. Nicht zuletzt dank prominenter Hilfe: Für BITC trommelt ein Mitglied des britischen Königshauses – Präsident der Vereinigung ist seit vielen Jahren Prinz Charles. Regelmäßig nimmt er selber an BITC-Veranstaltungen teil und bekennt: Wer Probleme aus erster Hand erfahre, bekomme "einen starken Antrieb, zu handeln". Mit seinem Engagement wolle er "Unternehmen anregen, ihren Beitrag zu sozialer und ökonomischer Erneuerung zu verstärken". Das Konzept scheint zu funktionieren: Fast drei Viertel der bisherigen Teilnehmer erklärten denn auch in einer Umfrage, sie würden sich nun stärker bei gesellschaftlichen Investitionen ihrer Firmen engagieren.
Die Idee der "Corporate Citizenship", die Unternehmen als verantwortungsvolle Mitglieder der Gesellschaft versteht, hat sich in Großbritannien schon lange durchgesetzt. Als BITC vor 20 Jahren gegründet wurde, sei es schwierig gewesen, die Wirtschaft vom Nutzen des Konzeptes zu überzeugen, sagt BITC-Chief Executive Julia Cleverdon. "Heute kommen viele und fragen uns, was sie tun sollen." Dabei treibt die Firmen nicht purer Altruismus, sondern Geschäftsinteresse. Viele Verbraucher wollen heute nicht nur wissen, wie schnell ihr Auto fährt, sondern auch, ob der Hersteller Schadstoffe in den nahen Fluss leitet. Jogger argwöhnen, ob ihre Schuhe von Kinderhand genäht wurden, Supermarktleiter müssen sich fragen lassen, ob ihre Kette für das lokale Sportzentrum gespendet hat.
Ähnlich haben die Personalleiter in den vergangenen Jahren zu spüren bekommen, dass Bewerber sich nicht allein für ihr Gehalt, sondern auch für die Werte des Unternehmens interessieren. "Die Leute fragen sich, inwieweit verkörpert mein Arbeitsplatz das, woran ich glaube", sagt Alan Knight, Chef der Abteilung "Corporate Social Responsibility" beim Einzelhandelskonzern Kingfisher. In einer Umfrage des Instituts Industrial Society lehnten es 82 Prozent ab, für eine Firma zu arbeiten, deren Wertvorstellungen sie nicht teilten.
78 Unternehmen des FTSE-100-Börsenindex sind inzwischen Mitglied bei BITC, ebenso die Deutsche Telekom und die Deutsche Bank in London. Bedingungen für eine Aufnahme gibt es keine. Dennoch glaubt Cleverdon nicht, dass die Mitgliedschaft nur als Feigenblatt dient. Demnächst will BITC einen Index für Corporate Responsibility (CSR) schaffen, an dem Manager, Aktionäre und Beschäftigte ablesen können, wo ihr Unternehmen in Sachen sozialer Verantwortung steht.
Auch heute noch treibt die Firmen dabei oft der "Angstfaktor" (Cleverdon). Das PR-Desaster Shells bei der Entsorgung der Brent-Spar-Plattform hat viele Finanzchefs vom Nutzen der Nächstenliebe überzeugt. Shell gilt heute als Musterbeispiel der Umweltberichterstattung. Die BITC-Chefin sieht in sozialer Verantwortung daher eine Chance für Firmen, sich einen aktiven Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Martin Mosley, Director of Consumer and Community Affairs bei Barclays, bestätigt das: "Wir glauben, dass das Engagement unseren Markennamen stärkt und zu unserem guten Ruf beiträgt." So hat jeder zehnte Mitarbeiter der Bank im vergangenen Jahr freiwillig an Gemeindeprojekten mitgearbeitet. Für jede Stunde Freizeit, die dabei investiert wird, legt Barclays eine Stunde Arbeitszeit drauf.
Das mag die Firmen zwar Geld kosten, eine Studie des britischen Versicherungsverbandes kommt aber zu dem Schluss, dass es letztlich dem Shareholdervalue dient. Die Aktionäre seien sich bewusst, dass ein schlechter Umgang mit Umwelt oder Menschenrechtsfragen ein Risiko für das Unternehmen darstelle. Wer das ignoriere, "werde letztlich höheren Kapitalkosten ausgesetzt sein", warnen die Experten.

Autor: Ines Zöttl, Journalistin


Corporate Citizenship in der EU

Unter Anleitung der EU-Kommission hat sich in Brüssel die Organisation Corporate Social Responsibility CSR Europe gebildet. CSR Europe versucht den Gedanken des gesellschaftlichen Engagements gemeinschaftsweit zu vertiefen. Siehe auch: Links


 

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